
Edition
Dramen
Mit der Kritischen Ausgabe sämtlicher Dramen, die Ernst Barlach als einen der großen deutschsprachigen Dichter des frühen 20. Jahrhunderts vorstellt, hat Ulrich Bubrowski editorische Maßstäbe gesetzt. Die von ihm herausgegebenen drei Dramen Bände geben umfassenden Einblicke in Barlachs dramatisches Schaffen. Die Texte: "Der tote Tag", "Der arme Vetter", Die echten Sedemunds", "Der Findling", "Die Sündflut", "Der blaue Boll", "Die gute Zeit" und "Der Graf von Ratzeburg" liegen erstmals in einer von Entstellungen oder bewussten Fremdeingriffen absehenden textgenetischen Version vor. Die Ausgabe enthält ein bisher etwa zur Hälfte unveröffentlichtes Material.
Nachgelassene Werke in Einzelausgaben
Über nahezu zwei Jahrzehnte hinweg hat die Ernst Barlach Gesellschaft das Ziel verfolgt, das nachgelassene erzählerische Werke Ernst Barlachs aus den Handschriften heraus neu zu edieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dieses Ziel wurde 2019 mit dem Erscheinen des letzten Bandes erreicht.
Der Editionswissenschaftler Ulrich Bubrowski hat für die Ernst Barlach Gesellschaft nicht nur die Herausgabe, sondern auch die Bearbeitung der einzelnen Bände vorgenommen und damit sichergestellt, dass jeder Band durchgängig von den Prinzipien Genauigkeit, Vollständigkeit, Übersichtlichkeit und Handlichkeit geleitet wurde. Unser bleibender Dank gilt daher Herrn Ulrich Bubrowski, der mit seiner Grundlagenarbeit erstmals die nachgelassenen Texte Barlachs wirklich in ihrer Authentizität gesichert und damit alle bisherigen Gesamt- und Einzelausgaben der Schriften Ernst Barlachs aufgehoben hat.
Sämtliche Bände wurden gänzlich neu aus den nachgelassenen Handschriften erarbeitet. Die Wahrung der Authentizität der Texte war dabei oberstes Gebot. Das Kriterium ‚kritische Ausgabe’ erforderte einen absoluten Respekt vor der Überlieferung – bis zu jedem Einzelbuchstaben und Satzzeichen hin. Die Eigenart des Autors sollte jenseits heutiger Schreib- und Stilmoden zur Geltung gebracht werden. Ein Zurechtstutzen der Texte ist von dem Herausgeber grundsätzlich unterlassen worden. Fragmentarisches tritt nunmehr als solches in Erscheinung und wird nicht durch vielfältige Manipulationen als etwas Abgerundetes präsentiert.
Jedem Band ist ein kompakter Materialteil beigegeben, der nicht nur die jeweilige Werkgenese, sondern auch weiterführende Hintergrunddokumente und neue Perspektiven eröffnende Quellentexte bietet. Ferner enthalten sind präzise Informationen zur Entstehungsgeschichte und Datierung der Werke, zu den Handschriftenverhältnissen wie zu allen editorischen Entscheidungen.
Die Edition präsentiert das gesamte Prosawerk Ernst Barlachs, und zwar – anders als alle bisherigen Ausgaben – in jeweils unentstellter und ungekürzter Form. Sie enthält damit auch erstmals wesentliche bisher unveröffentlichte Texte.
Die Einzelbände [Entstehungszeit] Charakteristik
– Reise des Humor und des Beobachtungsgeistes sowie weitere Texte aus der Pariser Zeit [1895 – 1896] von Barlach als 'Geisterroman' bezeichnet; Satire auf den damaligen Kunstbetrieb, in der sich der analysierende und sezierende Beobachtungsgeist und der der Phantasie ergebene Humor, der sich mit Gespenstern, Mumien und Gerippen einlässt, gegenüber stehen und sich gegenseitig in Frage stellen; [der Band erschien 2011]
– Seespeck [1913 – 1916] Roman, ursprünglicher Titel 'Der Mann mit der Maske'; in mehreren Episoden läßt sich Seespeck, Einzelgänger mit empfindsamen Organen, über dessen Äußeres und dessen Vorleben man so gut wie nichts erfährt, durch die Welt treiben und beobachtet die Menschen; seine Augen kommen ihm aber wie 'Bettlerhände eines Blinden' vor, so dass er seinen Blick auf sein Inneres richtet, um 'sein wahres Selbst' zu finden; [der Band erschien 2009]
– Der gestohlene Mond [1936 – 1937] Roman; die 'Betrachtung eines Stück Lebens', die sich allerdings als eine kaum auszulotende Vieldimensionalität von Andeutungen und Anspielungen erweist; hinter der krausen Kleinstadtenge tut sich eine zweite hintergründige Welt auf – von geradezu kosmischen Ausmaßen; es geht um die Spannung von Himmel und Hölle, Geist und Materie, Humanismus und Faschismus; [der Band erschien 2010]
– Reise ins Herz des südlichen Rußland [1906 – 1912] Reisebericht, der freilich nicht von Sehenswürdigkeiten handelt, sondern von einer Selbstfindung, zu der die Erfahrung der Fremde führt und an deren Ende ein neuer Mensch und ein anderer Künstler steht: 'Du darfst alles Deinige'; [der Band erschien 2008]
– Güstrower Tagebuch [1914 – 1917] 'Kriegstagebuch', das freilich mehr ist als ein solches: ein welthaltiges Werk, das den Bogen spannt von Szenen aus dem kleinstädtischen Leben in Güstrow, Erziehungssorgen, Lebensmittelbeschaffungsproblemen, Künstlerbegegnungen in Berlin bis zur Kommentierung der Weltpolitik, das aber auch so etwas ist wie ein latenter Entwicklungsroman, der die ersten Schritte fort von der enthusiastischen Kriegsbejahung hin zu den großen, von humanistischem Geist getragenen Mahnmalen erkennen lässt; [der Band erschien 2007]
– Ein selbsterzähltes Leben [1927] elegant geschriebene, gut zu lesende Autobiographie, von der Kindheit bis zum Jahre 1906 reichend, die hinter den geschilderten Erlebnissen und Erfahrungen die Geschichte einer Selbstfindung durchschimmern lässt; [der Band erschien 2006]
– "Privatkram" [Notizen 1887 – 1938] unsystematische, auf zahlreiche Manuskripte verstreute Aufzeichnungen, in denen Barlach in erster Linie als Mensch aus Fleisch und Blut erscheint, als pragmatische und soziale Person, die Einkaufslisten erstellt, Adressen und Telefonnummern, aber auch Persönliches und Intimes festhält; [der Band erschien 2015]
– Kleine Schriften [1891 – 1938] 'Phantasie, Erlebtes durcheinander', eine Vielzahl verschiedenartigster zumeist kürzerer Prosatexte, deren Titel von 'Hexengespräch' bis 'Hegel', von 'Ehebruchsgeschichten' bis 'Die Figur in der Architektur', von 'Mondscheinspuk' bis 'Drama und Plastik' usw. reichen; [der Band erschien 2013]
– Der Graf von Ratzeburg [1927 – 1936] unvollendet hinterlassenes Drama, im Mittelalter zwischen Orient und Okzident angesiedelt, auch biblische Zeiten evozierend, das die Wandlung vom sicheren, selbstbewussten zum fragenden und verunsicherten, d. h. in der Logik des Textes: wirklichen Menschen zeigt; [der Band erschien 2006]
– "Halbfertige Dinge" [Projekte, Ideen 1892 – 1937] 'chaotischer Reichtum': zahlreiche zumeist kurze, mitunter auch umfangreichere Notizen zu vielfältigen nicht vollendeten Schreibprojekten; [der Band erschien 2018]
– "Reimereien" [Gedichte, Verse 1892 – 1936] Gelegenheits-, Natur- und Großstadt-, auch Liebesgedichte neben reflexionsgeladenen und spielerischen Texten; [der Band erschien 2019]